Der neue Überflieger Oh Calin trifft auf neun starke Gegner
(Swissturf/ew, 26.09.2008)
Zum Saisonausklang im Aarauer Schachen bietet der Veranstalter ein neun Rennen umfassendes, interessantes Programm an. Klar im Mittelpunkt steht dabei der 61. Grosse Preis der Schweiz, der eine Klassebesetzung mit beinahe zehn Krachern aufweist. Neben dem mit SFr. 50'000.-- vom Aarauer Turf Club alimentierten Jagdrennen, gibt's mit zwei SFr. 15'000.-- ern auch für die Traber gutes Geld zu verdienen.
Das was sich bereits bei den Nennungen zum Grossen Preis der Schweiz abzeichnete, ist erfreulicherweise nun auch eingetroffen. Das beste, wichtigste und wertvollste einheimische Jagdrennen glänzt mit erstklassigen Kandidaten wie seit langer Zeit nicht mehr. Dies wird noch unterstrichen, wenn man die Formen der zehn Steepler unter die Lupe nimmt. Allesamt endeten die Kandidaten bei ihrem letzten Renneinsatz im Toto, das heisst unter den ersten drei. Und die Hälfte davon triumphierte gar beim letzten Einsatz. Unter normalen Umständen gäbe es bei dieser Konstellation das grosse Rätselraten, wer denn nun die Favoritenbürde zu tragen hat. Doch diesmal stellt sich die wohl spannendste Frage im Hinblick auf den Big Point eigentlich gar nicht. Neuling Oh Calin, der in Avenches von Patrick Inglin trainiert wird, präsentiert sich nach Papierform als Überflieger und klarer Topfavorit. Da können sich die Turfisten ohne Wenn und Aber auf einen veritablen Crack im Grossen Preis der Schweiz freuen.
Frischer Enghien-Sieger
Der zuletzt vom ehemaligen Spitzenjockey Laurent Métais trainierte GP Schweiz-Favorit Oh Calin hat am 16. September in Paris Enghien ein mit Euro 70'000.-- dotiertes Jagdrennen über 3'800 m gewonnen. Dabei kam der neu nun die Farben des Stalles Bodensee tragende Sechsjährige mit viel Speed, um im Einlauf aus einer hinteren Position seine acht Gegner noch zu schlagen. Für den in Paris die Farben der Sean Mulryan-Filiale Pegasus Farms tragenden Oh Calin war es beim 31. Start in seiner bisher äusserst erfolgreichen Karriere bereits der 15. Sieg. Insgesamt weist der braune, eher kleine Wallach eine phantastische Gewinnsumme von rund SFr. 650'000.-- auf. Er siegte vier- und fünfjährig auch auf der Flachbahn und vermochte sich im Hindernissektor bis auf Gruppe -III-Ebene durchzusetzen. Zusätzlich war der Alamo Bay-Sohn auf Gruppe-II-Ebene platziert.
Einmalige Chance für Inglin
Der rund seit einem Jahr in Avenches trainierende Patrick Inglin gehört seit vielen Jahren zu den bekannteren Gesichtern im heimischen Turf. Als junger Spund galt der damals in Rudolfstetten wohnhafte als Nachwuchstalend iim Sattel. Irgendwie schaffte er aber nie ganz den harten Weg zur Spitze der Sattelkünstler. Gereift und um viele Erfahrungen im Metier der schnellen Pferde reicher, bekommt der 37-jährige nun durch den ihm anvertrauten Oh Calin eine einmalige Chance im Trainermetier. 'Es ist einfach sensationell, dass ein solches Klassepferd in meinem Stall gelandet ist. Obwohl Oh Calin erst rund eine Woche unter meiner Regie trainiert, bin ich natürlich optimistisch im Hinblick auf sein Laufen im Grossen Preis der Schweiz. Nichtsdestotrotz kenne ich die Risiken eines Jagdrennens zur genüge und auch ein echter Crack braucht eine kleine Portion Glück im Rennverlauf, um Heil über alle Klippen zu kommen. Im Training macht er mir einen guten Eindruck, er leistet alles zur vollsten Zufriedenheit und ist dabei sehr konzentriert. Einen Vorteil sehe ich darin, dass Jockey Sébastien Leloup Oh Calin aus dem Training in Frankreich bestens kennt. In Avenches besitze ich beinahe ideale Voraussetzungen um einen Steepler in Form zu halten oder zu bringen.' Und von welchem Gegner geht für Trainer Patrick Inglin die grösste Gefahr für seinen Schützling aus? 'Alle neun können gefährlich werden und dies in jeder Hinsicht.'
Great Spain erstes Podest?
Im Trainingsstall des dienstältesten Schweizer Galopptrainers Karl Klein in Dielsdorf läuft es auch dieses Jahr in der Hindernisabteilung wie geschmiert. Sein bestes Pferd im Stall ist nach wie vor Great Spain, der in seiner bisherigen Laufbahn aber ausgerechnet im Grossen Preis der Schweiz noch nie mit Fortuna im Bunde stand. So verlor er letztes Jahr, mit intakten Siegchancen, am letzten Sprung absolut nicht zwingend seinen Jockey. Mit seinen Siegen im Grossen Preis des Kantons Aargau und im Grossen Preis der Stadt Luzern hat der neunjährige Kämpfer aber auch in dieser Saison ganz starke Vorstellungen abgeliefert. Für den absoluten Publikumsliebling wäre ein erster Podestplatz im Grossen Preis der Schweiz eigentlich überfällig.
Die Spielverderber?
Recht schwierig gestaltet sich die Frage nach dem ultimativen Spielverderber und Favoritenschreck. Einer der vielen, der dafür in Frage kommt, heisst Vac de Regnière, der sich in Luzern beim Schweizer Einstand gut hielt und sich von Great Spain nur um eine halbe Länge geschlagen geben musste. Trainer Kurt Schafflützel, der als Reiter und Coach das Dutzend an Siegen voll gemacht hat, kennt die Anforderungen an einen GP Schweiz-Triumph wohl wie kein anderer seiner Berufskollegen. Erstmals mit den besten Steeplern misst sich die von Karin Suter-Weber trainierte Inländerin Plusvite. Die von Philipp Schäfer gerittene Fuchsstute des Stalles Schloss Berg trägt volle 15 Pfund weniger im Sattel als Topfavorit Oh Calin. Ihre Limiten sind bisher noch nicht aufgedeckt worden. Bei ihren letzten drei Starts gewann sie, natürlich in weniger guter Gesellschaft, jeweils klar. Sollte ihr Traininggefährte Hairball an seine Bestleistung anknüpfen kann er alle schlagen. Crosskönig Erdeni und Bet on Me bestzen auch in diesem Rennen intakte Chancen für ein Platzgeld. Lediglich mit Aussenseiterrollen müssen sich hingegen der deutsche Gast Allez Hopp sowie Oscar de Froment und Téléphones Moi abfinden.


